6 Dinge, die man vom Puzzeln für’s Leben lernen kann

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Vor Kurzem wollte ich mal wieder prokrastinieren. Ich wollte einfach nicht machen, was ich machen wollte. Ein Blick in den Schrank, ach ja, das Puzzle, das Christoph mir zu Weihnachten geschenkt hat – das wär‘ doch was. Also Staubschicht abgewischt, Folie aufgerissen, und erst einmal alle Teilchen auf den Boden. Huch – ganz schön viele. Tausend Puzzleteile bildeten ein Chaos aus Farben und Formen. Wie soll man denn da…? Wo fängt man denn da an…? Wie soll daraus denn jemals das Bild dieser fröhlich bunten Straßenecke werden, das man auf dem Deckel der Schachtel sieht…? Und dann musste ich schmunzeln. Stehen wir nicht ständig im Leben vor Aufgaben, die so groß erscheinen, dass man nicht weiß, wo man anfangen soll? Packen wir das neue Projekt, den neuen Job, die tolle Idee deshalb gleich wieder zurück in die Schachtel und in den Schrank? Manch einer vielleicht, aber so will ich nicht sein. Also los, dachte ich mir, einen Schritt vor den anderen, erst einmal Ordnung ins Chaos bringen, mir einen Überblick verschaffen. Und so saß ich sicher ein Stündchen auf dem Boden, drehte alle Teilchen um, sortierte sie: die Eck- & Randteile nach links, den Rest grob nach Grundfarben in Grüppchen nach rechts. Dabei hatte ich doch ein wenig Zeit, nachzudenken. Dem sind zwei Erkenntnisse entsprungen:

1) Ich bin zu ehrgeizig, um ein geöffnetes Puzzle wieder zurück in die Schachtel zu packen.

2) Man kann vom Puzzeln echt was für’s Leben lernen.

Ob 1) jetzt klug war, wenn man bedenkt, dass das Puzzle mein Vorwand zum Prokrastinieren war, sei dahingestellt. Von 2) war ich ziemlich geflasht (dieses Wort steht übrigens schon seit 2006 im Duden, das flasht mich auch) und dachte mir, dazu muss ich was schreiben.

Tadaaaa – hier für euch meine PuzzleLebenThesen:

GEDULD IST COOL

Warum? Ohne Geduld wird man nie ein Puzzle mit mehr als 100 Teilen machen können – im übertragenen Sinn auf das Leben: Wenn man mal etwas mittelmäßig Großes vollbringen möchte, kommt man ohne Geduld nicht weit. Weil man einen Schritt nach dem Nächsten machen muss, und jeder braucht seine Zeit. Und weil man mit jedem Schritt dazulernt und besser wird, aber das führt jetzt weg von den Puzzles…

ERST MAL DEN RAHMEN ABSTECKEN…

Wenn man vor einem Haufen Chaos oder vor einem Haufen unendlicher Möglichkeiten steht, hilft es, sich erst einmal einen Überblick zu verschaffen, zu verstehen, was das Ziel ist, wie das fertige Puzzle aussehen soll. Welche Bestandteile gibt es, woran erkenne ich die, welche Funktion haben sie? Und zu guter Letzt: Woran kann ich ansetzen, womit fange ich an? Tja, vielleicht sind ja wirklich die Randpunkte des Projektes – so wie beim Puzzle – am leichtesten zu identifizieren, und man kann sich von da aus weiter vortasten.

…ABER DANN AUCH EINFACH AUSPROBIEREN

Beim Puzzle geht nichts ohne ausprobieren. Passt das Teilchen hier, passt es da – oder doch dort? Man kann zu Beginn nicht für jedes Teilchen voraussagen, wo es hingehört. So wie man für sich nicht voraussagen kann, wo man hingehört, was einen glücklich macht. Aber man kennt sich ja doch ein bisschen, und man sollte dafür sorgen, dass man sich besser kennenlernt, indem man was ausprobiert. Irgendwann greift man dann automatisch nach den passenden Teilchen.

ERFOLG KOMMT IN WELLEN – ODER GEDULD WIRD BELOHNT

Schon wieder Geduld 😉 Ich saß oft vor meinem Puzzle und hatte das Gefühl, nichts ginge voran. Ich starrte auf meine Teilchen, probierte, drehte, fügte dort zwei Teilchen zusammen, hier eins ein und dachte mir einfach nur: „Was ein Mist. Die sehen doch alle gleich aus! Wieso passt das nicht?“ Und dann – ein klitzekleines Teilchen an der richtigen Stelle, richtig herum gedreht, und alles ergab Sinn. In zwei Minuten schaffte ich mehr als in der halben Stunde davor, ein ganzer Teil des Bildes wurde fertig. Und dann wurde es wieder langsamer. Das Muster wiederholte sich, Frustration, Durchbruch, Frustration, Durchbruch. Und dann beschloss ich, die Frustration als Teil des Durchbruchs zu sehen und nicht frustriert sondern geduldig zu sein. Denn in der Zeit, in der ich das Gefühl hatte, nichts ginge voran, habe ich in Wahrheit jede Menge Weichen gestellt.

PAUSEN VOLLBRINGEN WUNDER

Pausen sind gut für’s Hirn. Und für den Körper. Aber manchmal vergisst man das (zumindest ich) und möchte bissig und ehrgeizig unbedingt noch das oder jenes fertig kriegen. Dabei geht es so oft nach einer Pause so viel leichter. Nicht nur einmal saß ich auf der Suche nach einem Puzzleteil da, das ich unbedingt noch einfügen wollte… Und kam ich am nächsten Tag, oder etwas später zurück, hab ich es auf den ersten Blick entdeckt!

DETAILS SIND LIEBENSWERT

Ich bin ein Detailfreak. Ich liebe Details. Weil man kein Bild malen kann, ohne die Details zu sehen.   Na klar, kann man das „Big Picture“ im Kopf haben und anderen sagen, sie sollen das Bild malen. Aber ich male gerne selber meine Bilder. Aber darauf will ich eigentlich gar nicht hinaus, meine Liebe zum Detail lässt mich mich hier nur verzetteln (Achtung, Liebe mit Nebenwirkung ;-)). Aber jetzt: Am Anfang sahen alle türkisen Teile für mich annähernd gleich aus. Vielleicht hier ein anderer Schatten als dort, aber kaum ein Unterschied. Aber je länger ich mich damit auseinandergesetzt habe, desto genauer sah ich die Details. Das war kein Schatten, das war ein Bordstein. Da, ist da nicht ein winziger gelber Fleck im Türkis? Dann gehört das Teilchen doch sicher dorthin. Ach und das muss hier passen, die Form ist ganz leicht gewölbt… Was ich damit sagen will: Je länger man sich mit einem Thema beschäftigt, desto besser erkennt man, welche Details ausschlaggebend sind, ob etwas passt oder nicht, ob etwas mittelmäßig oder gut ist, gut oder gar brillant. Die Millimeterdrehung im Wurf beim Basketball, dieses geschickt gesetzte Wort beim Schreiben, der genau richtige Farbton im Design – sie sind meine kleinen, unsichtbaren Helden!

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So, ich hoffe, da war was Interessantes dabei :-) Verrückt, was man alles von einem Puzzle lernen kann, nicht wahr? Aber irgendwie ist ja das Leben auch nur ein überdimensioniertes Puzzle mit undefinierter Anzahl an (alternativen) Puzzleteilchen…

Und jetzt – stürzt euch ins Puzzle 😉 Claudi out.

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